Seniorin 2018 | 3

Die Aargauer Museumslandschaft im Fokus

Marco Castellaneta hat eine bewegte Karriere hinter sich. Er hat die TV-Sendung «Marktplatz» moderiert, war Pressesprecher bei der Ringier AG, tätig im Landesmuseum, seit November 2016 ist er Direktor aller Museen im Kanton Aargau. Esther Egger hat ihn im Schloss Hallwyl besucht.

Marco Castellaneta, Sie starteten Ihre Karriere als Journalist, jetzt sind Sie Direktor von Museum Aargau mit neun Standorten. Was fasziniert Sie an dieser Aufgabe und weshalb gerade der Aargau?
Auf jeden Fall die Einzigartigkeit des Museum Aargau. Kein anderes Museum hat unter so diversen und einmaligen Dächern mehr zu bieten: lebendige Geschichtsvermittlung von den Römern bis ins Mittelalter, über die Habsburger bis hin zur Industriegeschichte. Die neun Museumsstandorte liegen im Mittelland, sind erreichbar von allen grossen Zentren der Schweiz und haben damit grosses Potential, auch die Städter ausserhalb des Kantons anzuziehen. Dann war es für mich auch ein nächster Schritt vom Geschäftsführer beim Nationalmuseum, quasi ohne inhaltliche Verantwortung, in die Gesamtverantwortung eines der grössten und wichtigsten Museen der Schweiz zu wechseln. Als Luzerner ist der Aargau für mich nah, als Kind war ich mir sicher, dass der Hallwilersee zu Luzern gehört. Speziell angetan hat es mir das Museum Aargau auch, weil man hier auf das Erzählen von Geschichten setzt. So wird Geschichte schnell erlebbar und verständlich, so schafft man den Bogen von der Geschichte von gestern ins heute.

Welches Konzept verfolgt Museum Aargau?
Gemeinsam verfolgen wir konsequent die Strategie Geschichte am Schauplatz erlebbar zu machen. Jeder unserer neun Standorte hat eine eigene Identität, sie leben von ihrer eigenen Ausstrahlung. Schloss Wildegg zum Beispiel – auf welchem mein Hauptarbeitsplatz ist – steht mit seinem Nutz- und Lustgarten für ein hochwertiges Naturerlebnis. Der von ProSpecieRara betriebene Nutzgarten ist einzigartig in der Schweiz und passt perfekt zur biologisch betriebenen Domäne. Viele Veranstaltungen auf Wildegg nehmen dieses Thema auf, so etwa der Setzlingsmarkt im Frühling, aber auch der Tulpenzwiebel- und Genussmarkt oder der Weihnachtsmarkt.

Es ist uns immer wichtig authentisch zu bleiben, originale Erlebnisse sollen aber auch überraschen und gleichzeitig soll unsere Geschichte in die neue Zeit, ins Jetzt führen. Auch die Digitalisierung hilft uns dabei. Das jüngste Beispiel ist der in diesem Frühjahr zusammen mit Partnern lancierte Industriepfad, die IndustriekulTOUR Aabach, auf welchem mit Augmented- und Virtual-Reality-Darstellungen via App originale Schauplätze aus mehr als 200 Jahren Industriegeschichte erlebt werden können.

Es ist dabei auch unser Bestreben, niederschwellig zu sein. Wir möchten möglichst viele Menschen ansprechen und sie animieren, sich mit Geschichte auf spielerische Art auseinander zu setzen. Mit neuen Formaten und Formen soll auch ein urbanes Publikum angezogen werden. So gingen zum Beispiel am im letzten Jahr erstmals ausgetragenen «Festival der Düfte» neue Welten auf, indem über die Nase ein Ort neu entdeckt werden konnte.

Anmerkung der Redaktion: Zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe passt sehr gut, dass auch bei Museum Aargau viele Freiwillige grossartige Arbeit leisten. Diese geschieht jedoch nie als Ersatz zu Arbeitsplätzen.

Sie sind ein begnadeter Kommunikator und Ihre Begeisterung für Ihre Aufgabe ist mehr als spürbar, was sind Ihre persönlichen Ziele?
Ich möchte zusammen mit meinem Team dieses kreative und inspirierende Feuer im Museum Aargau am Lodern erhalten. Zusammen schaffen wir es, ein Programm zu gestalten, das jährlich mehr als eine Viertelmillion Besuchende anzieht. Wir wollen in Bewegung und offen für Neues bleiben. Wir wollen möglichst vielen Menschen ermöglichen, eines der wichtigsten Museen der Schweiz, mit originalen Schauplätzen und Geschichte über drei Epochen, erleben zu können. Als Präsident des Verbands «Die Schweizer Schlösser» macht es natürlich auch Freude zu sehen, wie der Stellenwert des Schlosslands Schweiz in den letzten drei Jahren gestiegen ist. Noch nie wurden so viele Fernsehbeiträge wie dieses Jahr gesendet, aktuell ist CNN vor Ort, um einen Beitrag zum «Schlösserland Schweiz» zu produzieren.

Haben Sie einen Favoriten unter den verschiedenen Standorten und was empfehlen Sie unseren -Leserinnen und Lesern?
Selbstverständlich habe ich keinen Favoriten, sondern möchte die Leserinnen und Leser ermuntern, beim aktuellen Programm, bei der Expedition 2018, wundervolle Schätze an den neun Standorten zu entdecken und sich immer wieder überraschen und inspirieren zu lassen. Der Grund für diese Expedition ist, dass wir aktuell das internationale Jahr des Kulturerbes leben. Museum Aargau rollt zu diesem Anlass den Schätzen seiner Sammlung den roten Teppich aus. So kann man 888 Objekte auf 19 Touren, zum Beispiel auch in einer Wunderkammer oder in verschiedenen speziellen Installationen erleben, etwa ein Zimmer eingerichtet mit Gegenständen aus Karamell, die langsam dahinschmelzen oder eine digitale Installation. An sieben Standorten werden jeweils sieben Objekte aus der Sammlung des Museum Aargau in einem Ensemble gezeigt. Diese sind an jedem Schauplatz einem anderen Thema zugeordnet. Und – vielleicht treffen Sie ja «echte» Römer, einen Schloss-Drachen oder gar Königin Agnes.

Touren für Gruppen
Gehen Sie mit Ihrer Firma, Ihrem Verein oder mit Freunden auf eine geführte Expedition und entdecken Sie wundervolle Schätze. Ein passendes Programm wird Ihnen gerne zusammengestellt. Buchungen unter T 041 (0) 848 871 200.

Marco Castellaneta vor dem Schloss Hallwyl

 

Marco Castellaneta

Der 53-jährige Marco Castellaneta ist in Luzern aufgewachsen. Zuletzt war er Geschäftsführer des Schweizerischen Nationalmuseums, davor über 20 Jahre als Journalist, in Kommunikations-, Marketing- und Leitungspositionen in der Medienindustrie. Als Moderator hat er über 400 Live TV Sendungen auf SRF2 und über 500 Live Radio Sendungen auf dem Buckel. Castellaneta hat ein MAZ-Diplom, eine PR-Berufsausbildung am SAWI sowie einen Executive MBA und dazu einen MsCOM an der Universität Lugano absolviert.