Seniorin 2018 | 3

Margrit Rupper: Die neue Präsidentin des Winterthurer Verbandes

Seit zwei Jahren ist sie pensioniert und seit dem Frühjahr präsidiert sie den Regionalen Seniorinnen- und Senioren-Verbandes Winterthur RSVW mit rund 400 Einzel- und Paarmitgliedern. An der GV 2017 ist Margrit Rupper zuerst in den Vorstand und 2018, als Nachfolgerin von Vera Stanek, zur Präsidentin gewählt worden. Der RSVW gehört als Kollektivmitglied dem Zürcher Senioren- und Rentnerverband ZRV an. Was hat die neue Präsidentin vor, wo setzt sie Prioritäten? Dr. Hans Zürrer* hat sie in Winterthur besucht.

 

Jede neue Präsidentin oder jeder neue Präsident kommt bei der ersten Beurteilung eines übernommenen Vereins wohl zum Schluss, es handle sich um eine Baustelle. Es zeigt sich auch als durchwegs zweckdienlich, Kollegen und Mitgliedern die Bereitschaft anzudeuten, auch Neues zu wagen und etwelche alte Zöpfe abzuschneiden. Beim Gespräch mit «seniorin» bringt Margrit Rupper zum Ausdruck, dass sie genau das tun will. Sie will vieles grundsätzlich hinterfragen und provokativ nach Sinn und Zweck ihres Verbandes forschen.

Was wollen die Mitglieder, was wird geboten? 
Auf der Suche nach neuen Mitgliedern und nach finanziellen Mitteln taucht doch praktisch bei allen Vereinen, besonders auch bei Senioren-Organisationen, die Frage nach dem Nutzen eines Vereins und einer Mitgliedschaft auf. Nicht ohne Stolz weist Margrit Rupper auf die erfolgreiche Computeria und die ebenfalls stark besuchten Veranstaltungen und universitären Vorlesungen in Winterthur hin. Sie ist sich aber auch bewusst, dass viele Angebote durch die ältere Generation noch wenig genutzt werden und erkennt darin einen Schwerpunkt in der Aus- und Weiterbildung von Seniorinnen und Senioren. Da bietet die zunehmende Digitalisierung ein weites Feld, denn ohne geeignetes Wissen können auch Senioren bald kein ÖV-Ticket mehr lösen und ohne ein neues Handy bald kein e-Banking mehr erledigen.

Senioren-Organisationen wie Sterne am Himmel! 
Anlässlich ihrer Standort-Analyse war Margrit Rupper beeindruckt von der Vielzahl von Senioren-Organisationen und deren Angebot an Dienstleistungen. Da muss es doch wimmeln von Doppelspurigkeiten, von Konkurrenz-Situationen und Ressourcen-Fragen, personell und finanziell. Optimale Zusammenarbeit und Koordination dürften wohl Chancen für Effizienz und Einsparungen bieten. Ein Überblick lässt sich heute leicht über das Internet gewinnen, indem praktisch jeder Verein über eine Homepage verfügt. Margrit Rupper hat sich schon gut informiert, auch über den Schweizerischen Seniorenrat SSR, das oberste Gremium der Schweizer Senioren, den Schweizerischen Verband für Seniorenfragen SVS und natürlich auch über den ZRV. Noch nicht bekannt war ihr die Tatsache, dass Kollektivmitglieder über Stimmrechte an der GV des ZRV verfügen. So hat der RSVW 5 Stimmen.

Internet, Homepage, Printmedien
Ja, die eigene Homepage ist natürlich bei praktisch allen Verbänden nicht nur ein Dauerthema, sondern auch eine Dauer-Baustelle aufgrund der laufenden Aktualisierung und der periodischen Neugestaltung und Modernisierung. Damit verbunden folgt gleich die Frage nach der Notwendigkeit, dem Inhalt, Umfang und Benutzerfreundlichkeit, und schliesslich der Finanzierung. Es zeigt sich, dass der Nutzen für die einzelnen Mitglieder nicht leicht aufzuzeigen ist, aber im Rahmen der vernetzten und zunehmend digitalisierten Welt kaum darauf verzichtet werden kann. Margrit Rupper ist auch im Bilde über Seniorweb und das Printmedium «seniorin», welches vier Mal im Jahr erscheint und den Mitgliedern des RSVW und den weiteren Kollektivmitgliedern mit einer Gesamtauflage von über 12 000 Exemplaren zugestellt wird.

Finanzen: die grosse Herausforderung
Spätestens wenn es um grössere Ausgaben geht, wie zum Beispiel einer besonderen Investition, der Gestaltung einer neuen Homepage, Vorbereitung einer besonderen Veranstaltung, eines Grossanlasses, kommt die Frage der Finanzierbarkeit auf den Tisch und so beginnt die Suche nach Sponsoren und anderen Ressourcen. Sponsoren sind praktisch ausgestorben und ohne Erhöhung der Mitgliederbeiträge gilt es Einsparungen zu realisieren. Immerhin hilft die Digitalisierung, viele administrative Arbeiten, wie Adressverwaltung und laufende Korrespondenz am Home-Computer zu erledigen und auf die Einrichtung eines Sekretariates zu verzichten. Aber es braucht immer willige und zuverlässige Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich einzusetzen. Margrit Rupper hat im Gespräch gezeigt, dass sie sich dieser anspruchsvollen Aufgabe bewusst und auf Unterstützung angewiesen ist. Auch der ZRV wünscht dem RSVW und der neuen Präsidentin mit ihrem Vorstandsteam gutes Gelingen.

*Dr. Hans Zürrer (84), Autor des Beitrages ist Ehrenmitglied des ZRV, seit bald 15 Jahren mit Fragen aus der Senioren-Welt vertraut. Er war Vizepräsident des ZRV, Mitglied im Vorstand des SVS und im SSR.

Zum Gedenken

Anja Bremi – Eine Kämpfernatur ist nicht mehr

Anja Bremi ist 83 Jahre alt geworden, am 24. Juni starb sie nach einer schweren Krankheit, versöhnt sich mit sich und ihrer Umwelt. Als Gründerin und Präsidentin der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter (UBA), erwarb sich Anja Bremi grosse Verdienste für die älteren Menschen. Die Beschwerdestelle setzt sich schweizweit für die Wahrung der Würde alter Menschen ein, die Opfer von Gewalt geworden sind und ist Anlaufstelle für Betroffene und Institutionen. Zuerst in Zürich gegründet, breitet sich diese Institution weiter in der Schweiz aus. In den jeweiligen Jahresberichten zeigt die Beschwerdestelle auf, wie nötig die Anlaufstelle nach wie vor ist. Immer wieder muss die UBA eingreifen, unwürdige Situationen in Alters- und Pflegeheimen, aber auch in Familien angehen und markant verbessern. Beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) engagierte sich Anja Bremi ehrenamtlich und war bis 1996 Präsidentin des Rotkreuz-Kantonalverbandes Zürich, anschliessend bis 1999 Vizepräsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes und 1999 bis 2006 Mitglied des Rotkreuzrates und des Stiftungsrates des Ausbildungszentrums SRK. Anja Bremi war eine Kämpfernatur, unerschrocken, eine Frau, die mit ungeheurer Energie und Hartnäckigkeit ihre sozialpolitischen Ziele verfolgte. Dazu gehörten das Aufbrechen verkrusteter Rollenbilder von Frau und Mann, die Einführung von Tagesschulen und vor allem die Professionalisierung der Pflege, mit der die Forderung nach einer finanziell höheren Einstufung des Pflegepersonlas einherging. Auch ihre Abdankungsfeier in der reformierten Kirche in Zollikon war von ihr geprägt. Ihren Lebenslauf hatte sie selbst verfasst und von einem Bekannten und einem ihrer Enkelkinder verlesen lassen. Sie berichtete in träfen, direkten Worten von ihrem spannenden Leben, von ihrer Ausbildungszeit in den Kliniken in Lausanne und Genf, wie sie als junge Frau das Leben in der Westschweiz genoss, bis eben Ueli (Ulrich Bremi) «bei einen Besuch in Zürich» dazwischen kam, wie sie als Frau eines bekannten Politikers ein eigenständiges Leben führte. Wie sie Hindernisse aus dem Weg räumte, wenn sie mit neuen Ideen kam, wie sie Tagesschulen forderte, als sie die UBA ins Leben rief. Dass die Trauergemeinde mit vielen Prominenten aus Politik und Kultur immer wieder schmunzeln, gar lachen musste, war wohl mehr als Absicht; es war ihre letzte Botschaft an ihre Gemeinschaft: bleibt engagiert, hartnäckig und verliert dabei nie den Humor. Danke Anja Bremi.

Dr. Hans Zürrer und Anton Schaller

Anja Bremi