Seniorin 2018 | 3

Wann wird ein Hörgerät notwendig?

Auf was ist bei einem Kauf zu achten und wie läuft das sogenannte Testverfahren genau ab? Wer beteiligt sich an den Kosten? Wie informiert der Anbieter, wie die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich SVA? Ein Selbstversuch.

Ein Treffpunkt war schon seit einiger Zeit verabredet: die Bar im Hotel Central in Zürich. Eingeladen zum Apéro hatten mich meine beiden erwachsenen Kinder: Simone und Matthes. Dort wurde das Geheimnis gelüftet. Sie hatten einen Hörtest bei der Firma Amplifon am Limmatquai vereinbart. Sie hätten bei den Familientreffen an den Feiertagen, über Weihnachten, Neujahr, an Ostern, festgestellt, dass ich immer wieder nachfragen würde. Sie hätten den Eindruck bekommen, dass ich ein Hörgerät brauche. Freiwillig wäre ich ja nicht gekommen.

Der Test war in seiner Aussage unmissverständlich: 27% Hörverlust bei beiden Ohren. Weil wir schon dort waren, gingen wir gut beraten sofort an die Lösung des Problems. Welches Hörgerät wäre angemessen, vom Komfort und vom Preis her betrachtet. Wennschon, dennschon: wir entschieden uns für das modernste Gerät mit Akku statt Batterien, kaum sichtbar an den Ohren. Kosten: stolze CHF 8000. Es gäbe ja noch Beiträge von der AHV, von der Krankenversicherung. Dazu war aber ein weiterer Test notwendig, bei einem dafür zuständigen Arzt, diesmal ein dreifacher Test. Das Resultat: 24% Hörverlust bei beiden Ohren. Schon der Arzt meinte: sie werden keinen Beitrag der AHV erhalten. Dazu sei ein Hörverlust von 35% notwendig. «Wenn Sie vor dem AHV-Eintrittsalter ein Gesuch gestellt hätten, hätten 20% Hörverlust für einen Beitrag ausgereicht.» Der Bescheid der Sozialversicherungs-Anstalt SVA Kanton Zürich kam dann auch prompt: kein Beitrag. Beigelegt hat die Sachbearbeiterin ein Blatt mit den relevanten Gesetzesbestimmungen: ein Auszug aus dem IV-Gesetz. Erst bei einer Nachfrage sandte mir die Dame, die sich gleichzeitig auch als Einsprache-Instanz bezeichnete, die entsprechende Verordnung, ein diesbezügliches Kreisschreiben des Bundesamtes für Gesundheit sowie die AHV-Broschüre «Hörgeräte». Darin steht, dass es einen Beitrag für ein Hörgerät von CHF 630 gebe. Und für zwei? Wird in der Broschüre nicht speziell erklärt. Der untersuchende Arzt meinte, es gebe je einen Beitrag pro Ohr ab diesem Jahr. Was nun, fragte ich in einer Einsprache und machte geltend, dass ich noch berufstätig sei, AHV-Beträge über das AHV-Eintrittsalter bezahle und auf ein gutes Gehör als Dozent zwingend angewiesen sei.

Die Einsprache wurde abgewiesen, noch einmal wies man, wie die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich SVA, auf die geltenden Bestimmungen in der Gesetzgebung, in der Verordnung und auf das Kreisschreiben hin. Auf die Frage, ob es nun einen oder zwei Beiträge je Ohr gäbe, gingen die Zuständigen an der SVA in ihrer Antwort nicht ein. Zu den Mängeln der Hörgeräten in der AHV-Broschüre schrieb die SVA aber immerhin: «Wir haben die Anmerkungen betreffend verbesserten Beilagen intern aufgenommen. Womöglich werden wir versuchen, einzelne Aspekte in unserem zukünftigen Schriftverkehr an unsere Gesuchsteller für Hörgeräte einfliessen zu lassen». So weit so gut.

Nun aber das Positive: Im neuen Merkblatt der AHV zu den Hörgeräten, das seit dem 01.07.2018 gültig ist, steht es nun klipp und klar: Die Pauschale beträgt CHF 630 für ein Hörgerät und CHF 1237.50 für zwei Hörgeräte (also für beide Ohren). Die Pauschale wurde so berechnet, dass sie 75% der Kosten für ein einfaches und zweckmässiges Qualitätsprodukt sowie für fachmännische Anpassung und den Unterhalt deckt.

Ab dem 1. Juli 2018 vergütet die AHV neu gleichzeitig zwei Ohrgeräte und nicht nur eines.

«Der Beitrag ist eine fixe Pauschale, unabhängig davon, ob Ihr Gerät mehr oder weniger kostet.» In die Lücke sprang Amplifon: die Firma gewährte mir einen Rabatt von CHF 630.

Aufgrund meiner Recherchen reichen diese CHF 1237.50 tatsächlich nur für zwei ganz einfache Hörgeräte. Auch wenn man den Betrag auf 100%, also auf CHF 1650 hochrechnet, wird es nicht besser. Will man sich gut versorgen, sind Geräte in Betracht zu ziehen, die so rund CHF 2000 pro Ohr kosten. Will man Komfort, will man auf Batterien verzichten, ­Akkus verwenden, steigen die Kosten auf rund CHF 4000 pro Gerät. Und wichtig: Die Entschädigung durch die AHV kann nur alle 5 Jahre in Anspruch genommen werden.

Und zum Schluss noch ein paar Ratschläge: lassen Sie sich genau informieren, lassen Sie sich Zeit, erproben Sie alle Möglichkeiten, Sichtbare oder auch Unsichtbare. Auch billigere Geräte können durchaus den Hörverlust kompensieren. Die Teuren dagegen sind kaum sichtbar. Und die mit Akkus betriebenen Geräte haben den Vorteil, dass sie den Alltag bequemer gestalten lassen, weil nicht an die Batterien gedacht werden muss. Von zentraler Bedeutung sind auch die Betreuung und die Service-Leistungen; sind diese im Preis inbegriffen wie bei Amplifon wo beides höchst professionell angeboten wird? Am Anfang lohnt es sich sehr, die Geräte immer wieder neu einstellen zu lassen, bis Sie auch am Stammtisch, in der Oper, im Theater, im Kino – und eben auch an Familienfeiern – alles mitbekommen.

Und der wichtigste Ratschlag: tragen sie die Geräte immer, jeden Tag vom Morgen bis am Abend. Unser ganze Hörapparat stellt sich schnell auf das Hörgerät ein, auch unser wichtigstes Organ in diesem Zusammenhang: Das Gehirn.