Seniorin 2018 | 4

Frühzeitige Planung unumgänglich

Wohnen im Alter kennt viele Formen und hat viel mit Individualität zu tun. Die 14. Zürcher Alterskonferenz beleuchtete das Thema auf vielfältige Weise.

Heute gibt es verschiedene Wohnformen im Alter. Wichtig ist, jene Wohnform zu finden, die zu einem passt. Sowie sich frühzeitig Gedanken über die jetzige und künftige Wohnsituation zu machen. Das ist das Fazit der 14. Zürcher Alterskonferenz im Zürcher Volkshaus, das dem Thema «Zukunft Wohnen» gewidmet war. Organisiert wurde der Anlass vom Zürcher Senioren- und Rentner-Verband (ZRV). Gekommen waren gegen 300 Besucherinnen und Besucher.

Wohnbedürfnisse rechtzeitig ermitteln 
Das erste Referat: «Bedürfnisgerechte Planung einer altersgerechten Wohnung». An zwei Fallbeispielen, einem 85-jährigen Witwer und einer 78-jährigen Witwe, illustrierte Ute Ziegler, Kunsthistorikerin und Innenarchitektin, die unterschiedlichen Bedürfnisse bei der Frage nach der geeigneten Wohnform im Alter. Im ersten Fall (Wohnen zu Hause) standen Inspiration, Chaos und Kreativität im Vordergrund, im zweiten Fall (Wohnen im Altersheim) Ordnung, Struktur und Sicherheit. Wichtig ist, dass rechtzeitig die eigenen Wohnbedürfnisse ermittelt werden. Daraus lassen sich individuell der Bedarf und die Anforderungen für die passende Wohnform im Alter ableiten.

Keine Benachteiligung der älteren Generation
Thomas Keller, Leiter Marktgebiet Privatkunden und Private Banking bei der Zürcher Kantonalbank, sprach über die Finanzierung von Wohneigentum im Alter. Er widersprach Medienberichten, wonach ältere Hauseigentümer in Sachen Finanzierbarkeit des Wohneigentums benachteiligt würden. Eine Aufstockung der Hypothek sei bei der ZKB in der Regel möglich, im Gespräch finde man immer eine Lösung. Er plädierte ebenfalls für eine frühzeitige Planung der geeigneten und finanzierbaren Wohnform im Alter. Zudem wies er auf die verschiedenen Möglichkeiten hin: das eigene Haus zu behalten, zu verkaufen, den Kindern zu übergeben oder einen Ersatzkauf zu tätigen. Nationalrat Hans Egloff, Präsident des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes HEV, mit rund 330 000 Mitgliedern, warb auch für eine frühzeitige Auseinandersetzung (ab 50 Jahren) mit der passenden Wohnform im Alter. Eine Möglichkeit ist der Wechsel in ein Generationenhaus wie die Giesserei in Winterthur mit 150 Eigentumswohnungen. Auch der Umzug in eine Mietwohnung ist für Egloff eine echte Alternative. Sodann befasste er sich eingehend mit der zur Diskussion stehenden Abschaffung des Eigenmietwertes. Der von der Ständeratskommission erarbeitete Vorschlag sei eine tragfähige Lösung, die vom HEV unterstützt werde, sagte Hans Egloff. Auch wenn die Unterhaltskosten für den Hauptwohnsitz nun nicht mehr abzugsfähig seien. Kein «Einheitsbrei» zwischen Stadt und Land Regierungsrat Markus Kägi erläuterte das Wohnen im Alter aus raumplanerischer Sicht. Der Kanton Zürich stehe angesichts der stark wachsenden Bevölkerungszahl und der steigenden Komfortwünsche vor grossen Herausforderungen, die unterschiedlichen Wohnungsansprüche und die dafür erforderliche Infrastruktur raumplanerisch sinnvoll und nutzbringend zu bewältigen. Dabei dürfe kein «Einheitsbrei» zwischen Stadt und Land entstehen. Es gilt den bestehenden und neu zu bauenden Wohnungsraum bedürfnisgerecht zu nutzen. Konkret: mehr kleinere, moderne Wohnungen sowie die Wohnmobilität unter der älteren Generation fördern, die Raumentwicklung den veränderten Verhältnissen nachhaltig anpassen, altersgerechte Wohngebiete mit Pflegemöglichkeit gestalten, die Durchmischung gewährleisten und die Nachbarschaftshilfe fördern.

Mehr bezahlbare Wohnungen erforderlich
«Wohnen ist ein Grundbedürfnis», betonte Natalie Imboden, Generalsekretärin des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands MV, zum Schluss. «Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum.» Zwei Drittel der Bevölkerung leben in Mietwohnungen, die Mietpreise in den Städten/Agglomerationen schiessen ungebremst in die Höhe und sind für viele junge/ältere Menschen unbezahlbar. Mit der Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen», die der Bundesrat übrigens ablehnt, wolle der MV den gemeinnützigen Wohnungsbau mit raumplanerischen Vorgaben, Bauland und Darlehen fördern. In der anschliessenden, von ZRV-Präsident Anton Schaller geleiteten Fragerunde wurde unter anderem an die Eigenverantwortung bei der Suche nach der geeigneten Wohnform im Alter appelliert. Strittig blieb die Frage, ob der Wohnungsmarkt richtig funktioniere und der Bund für bezahlbare Wohnungen mehr unternehmen müsse. Der anschliessende Apéro, umrahmt mit Liedern des Chors MusicaViva, bot die willkommene Gelegenheit, sich auszutauschen und das Gehörte zu vertiefen.

300 Besucherinnen und Besucher lauschen den Ausführungen der Referenten.

Beispielhaft und informativ

Von den 230 Alters- und Pflegeheimen im Kanton Zürich wird in 30 Heimen nicht korrekt abgerechnet. Die Anzahl der im Kanton Zürich wohnhaften Senioren über 69, die über einen Fahrausweis verfügen, nimmt jährlich um 8000 Personen zu. Das sind zwei Informationen aus dem jährlichen Gespräch des Forums Alterspolitik mit dem Regierungsrat des Kantons Zürich, das Anfang November stattfand. as.

Seit 2012 trifft sich das Forum Alterspolitik des Kantons Zürich einmal im Jahr mit dem Zürcher Regierungsrat. Dem Forum gehören der Zürcher Senioren- und Rentnerverband ZRV, die Pro Senectute des Kantons Zürch und der Zürcher Seniorenrat an. Federführend ist der ZRV. In dieser Zeit hat das Forum 30 Anliegen eingebracht, die vom Regierungsrat behandelt und beantwortet worden sind. Die Anliegen sind ähnlich formuliert wie parlamentarische Interpellationen. In den Anliegen werden die Problematik, die entsprechenden Fragen und die jeweiligen Forderungen des Forums formuliert. Die Anliegen reichen von der Forderung, pflegende Angehörige besser zustellen, das Wohnen im Alter konkret anzugehen, das Spitex- Angebot während 24 Stunden kantonsweit einzuführen, bis zum Pilotprojekt CareNet+, das zurzeit von der Pro Senectute im Bezirk Affoltern durchgeführt wird und das auch für die nächsten zwei Jahre durch den Kanton mitzufinanzieren wäre. Wie am Gespräch vermittelt wurde, läuft bereits eine Untersuchung, um zu klären, ob in den Zürcher Alters- und Pflegeheimen korrekt abgerechnet wird. Der Regierungsrat geht nach seinen Informationen davon aus, dass dies in 30 der 230 Institutionen im Kanton nicht der Fall ist. Nach der Untersuchung wird der Regierungsrat aktiv werden. Die notwendigen Sanktionen würden dann von den zuständigen Stellen eingeleitet.

Die Gesundheitsdirektion informierte auch über das weitere Vorgehen im Kanton Zürich bei der nationalen Demenz-Strategie. Zurzeit sei das «Projekt Mäander» in Bearbeitung. Monique Arts, Projektleiterin, wies darauf hin, dass es im Kanton Zürich 25 000 demenzkranke Personen gibt. Die Gesundheitsdirektion erwarte, dass sich die Zahl bis ins Jahr 2040 verdoppeln werde. Diese Entwicklung stelle eine grosse Herausforderung dar. Es solle deshalb eine unabhängige Organisation gebildet werden, die das Projekt vorantreiben und auch realisieren werde. Es gehe vor allem darum, das Zusammenleben zwischen kranken und gesunden Menschen zu erleichtern. Bis jetzt würden 60 Prozent der Demenzkranken zu Hause betreut, was für die Angehörigen eine grosse Belastung darstelle.

Bei der Fahrtüchtigkeitsprüfung für über 70-jährige Autofahrer steigt die Anzahl der Geprüften jährlich um fast 8000. Die veranlassten administrativen Masnahmen erhöhten sich im Kanton auf 192 % (in der ganzen Schweiz: 129 %). Dagegen liegt die Zahl bei den Entzügen des Fahrausweises bei den 70- bis 75-Jährigen lediglich bei 112 %. In der ganzen Schweiz sind es 225 % Das ist ein Hinweis darauf, dass im Kanton Zürich die ärztlichen Überprüfungen sorgfältig erfolgen und administrative Massnahmen auch eingeleitet werden.

Der ZRV nimmt gerne Anliegen aus der Bevölkerung auf, die er im Gespräch 2019 dem Regierungsrat unterbreiten wird, sofern sie den Verantwortungsbereich des Kantons betreffen.

info@zrv.ch