Seniorin 2019 | 2

Diagnose Demenz – jetzt ist gute Beratung wichtig

Die Zugehende Demenzberatung ist ein Angebot der Pro Senectute Aargau in Kooperation mit Alzheimer Aargau. Das Ziel ist, Betroffenen und Angehörigen eine kontinuierliche und beratende Begleitung zu bieten. «Zugehend» bedeutet regelmässig, proaktiv, massgeschneidert, umfassend.

Eine Demenzdiagnose konfrontiert Betroffene und Angehörige mit vielen Veränderungen, Belastungen und Herausforderungen. Die Krankheit wirkt sich sehr unterschiedlich aus, beeinflusst zum einen von der Demenzform, d. h. welche Bereiche im Gehirn betroffen sind, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, zum andern aber auch von Lebensgeschichte, Prägungen, Charakter, dem sozialen Umfeld und der familiären Beziehung. Darum ist es wichtig, dass jede Situation individuell betrachtet und evaluiert wird. Die beratende Begleitung soll an die jeweiligen Bedürfnisse der Betroffenen und Angehörigen angepasst werden. Betroffene Familien sollen gestützt, gestärkt und entlastet werden.

Massgeschneiderte Beratung
Die Beratungsgespräche der «Zugehenden Beratung» enthalten unterschiedlichste Themen: Informationen zur Erkrankung, Umgang mit veränderten Verhaltensweisen, Koordination von Entlastung und deren Finanzierung, psychosoziale Begleitung…

Beraten werden Menschen, weil sie Veränderungen bemerken, unsicher sind, was im Rahmen der ­Alterung normal ist und was Symptome einer Demenz sind. Die Fachleute informieren über Abklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Andere erkundigen sich, wie sie mit veränderten Verhaltensweisen, wie z.B. Antriebslosigkeit, Uneinsichtigkeit, Aggressionen umgehen können oder was es für Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten gibt. Auch gibt es Angehörige, die regelmässig zu Gesprächen kommen, zum Austauschen und Abladen. Hierfür gibt es auch die Möglichkeit, in einer regionalen Angehörigengruppe teilzunehmen.

Manche kommen zur Beratung, nachdem sie frisch die Diagnose Demenz erhalten haben, sie wollen erfahren, was auf sie zukommt, was es für Möglichkeiten gibt. Begleitet werden auch Familien, wenn die Demenzerkrankung schon weit fortgeschritten ist. Es ist wichtig, die Betroffenen und die Angehörigen dort abzuholen wo sie gerade stehen, zuzuhören, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und mit ihnen gemeinsam zu erarbeiten, was zu einer Verbesserung der Situation führen kann. Dabei müssen die Bedürfnisse beider, der Betroffenen und der Angehörigen, berücksichtigt werden, was nicht immer einfach und auch mit Kompromissen verbunden ist.

Einige Zahlen zur Zugehenden Demenzberatung:

  • Im Jahr 2018 wurden 137 Fälle mit unterschiedlich häufigen Beratungen betreut.
  • Die Beratungen sind kostenlos, unabhängig davon, wie häufig sie beansprucht werden.
  • Insgesamt werden die Beratungen im Kanton Aargau mit 130 Stellenprozent geleistet.


Die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz
Wie jeder gesunde Mensch ist auch jeder Demenzkranke einzigartig in seiner Persönlichkeit. Man muss ihn so annehmen, wie er ist – er kann sich nicht ändern. Wichtig ist, die Würde des Kranken zu wahren, seine Ressourcen zu erkennen und zu fördern. Demenzkranke brauchen Sicherheit, Konstanz, Struktur, Personen, denen sie vertrauen, die sie wahrnehmen und verstehen. Menschen mit Demenz sind sehr feinfühlig; auch wenn sie sich nicht mehr ausdrücken können wie gesunde Menschen, nehmen sie vieles auf der emotionalen Ebene wahr.

Die Bedürfnisse von Angehörigen
Die Aufgabe, einen Menschen mit Demenz zu betreuen und zu pflegen, ist sehr anspruchsvoll und komplex. Es gibt kein Handbuch über den Verlauf. Was heute richtig ist, ist morgen vielleicht bereits wieder anders. Hier ist viel Anpassungsvermögen und Flexibilität von den betreuenden Personen gefragt. Diese herausfordernde Aufgabe wird früher oder später sehr zehrend und führt zur Erschöpfung. Umso wichtiger ist, dass Angehörige Hilfe annehmen. Auch hier ist es wichtig, dass die Form der Unterstützung, angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse, ausgelotet wird. Ressourcen im Umfeld sollten genutzt werden. Wir zeigen verschiedene Möglichkeiten von Entlastung auf, koordinieren Kontakte und informieren über Finanzierungsmöglichkeiten. Es ist wichtig, frühzeitig Unterstützung anzunehmen. Angehörige sollen dazu ermutigt werden, indem ihnen klar wird,dass es legitim ist, Hilfe anzunehmen und dass die Aufgabe alleine kaum zu bewältigen ist.

Veränderungen bringen positive Effekte
Erfreulich ist, immer wieder zu erleben, dass in den meisten Fällen eine Beratung etwas ins Rollen bringt. Die Betroffenen fühlen sich gestärkt und unterstützt, Veränderungen anzugehen. In der Regel bringen die Veränderungen eine Win-win-Situation. Als Beispiel: Demenzbetroffene fühlen sich in einem betreuten Rahmen wohl, sei es durch einen Besuchsdienst oder in einem Tageszentrum,ihre Ressourcen werden gefördert, was das Selbstvertrauen stärkt. Angehörige haben Zeit, ihren eigenen Bedürfnissen nachzugehen, sei es einen Termin wahrzunehmen oder einfach mal wieder Zeit zu haben, in Ruhe ein Buch zu lesen. Diese positiven Effekte wirken sich auf beide Parteien aus und führen zu mehr Wohlbefinden. Unser Ziel ist, den Betroffenen und den Angehörigen das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein, und ihre Lebensqualität zu verbessern. Erwiesen ist auch, dass durch die zugehende Beratung ein Heimeintritt im Durchschnitt um ein Jahr hinausgezögert werden kann.

Wo erhalten Sie Hilfe?
Wer eine Beratung beanspruchen möchte, kann sich direkt an das Team der Zugehenden Demenzberatung der Pro Senectute wenden (siehe unten). Zuweisungen werden auch von Ärzten, Kliniken oder der Spitex ausgesprochen. Die Beratungen erfolgen bei Betroffenen zu Hause, in einer der Beratungsstellen oder telefonisch. Sie finden so oft wie nötig statt, sind kostenlos und offen für jedes Alter.


Team der Zugehenden Demenzberatung Pro Senectute Aargau, v.l.: Annemarie Rothenbühler, Julia Kiefer, Marianne Candreia

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Pro Senectute Aargau:
062 837 50 70
www.ag.prosenectute.ch
Alzheimer Aargau:
www.alz.ch/ag