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Schweizer Auto-Pioniere erringen Weltrang

Nur echte Kenner wissen, dass eine der berühmtesten amerikanischen Nobel-Marken den Namen eines genialen Konstrukteurs aus La Chaux-de-Fonds trägt: Louis Chevrolet. Auch der jüngere Peter Monteverdi aus Binningen kreierte schnelle, exklusive Sport-Limousinen und -Coupés.

Louis Chevrolet(1878 – 1941)
Cadillac, Buick, Chevrolet – die Namen stehen für Autos aus einer anderen Zeit, für Reiche, die nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Glanz und Glamour wollten. Wie war es möglich, dass ausgerechnet ein Auto-Profi aus dem Kanton Neuenburg einer dieser Marken seinen Namen gab? Das kam so: Louis Chevrolet war schon mit 22 Jahren nach Amerika ausgewandert, hatte dort für verschiedene Automarken gearbeitet und freundete sich schliesslich mit William C. Durant an, dem Gründer und Financier der späteren General Motors Company. Zwischendurch war er Mitbegründer und Gesellschafter der «Chevrolet Motor Car Company of Michigan»; während dieser Zeit entstand sein berühmtes Modell «Baby-Grand». Aber der Automarkt war hart umkämpft. Obwohl auch seine anderen legendären Modelle – «Cornélia», «Frontenac» und «Monroe» – grosses Aufsehen erregten, verliess Chevrolet diese Gesellschaft nach einigen Jahren wieder infolge von Meinungsverschiedenheiten und finanziellen Problemen. Sein Name blieb jedoch, sogar als die Marke etabliert war und mit General Motors Co. fusionierte.

Als Motoren- und Wagenkonstrukteur erreichte Louis Chevrolet Weltruhm, jedoch genauso als Autorennfahrer. Dies war seine zweite grosse Begeisterung. Ab 1905 fuhr er auf den berühmtesten Rennstrecken Amerikas, wurde mehrmals Sieger und galt bald als einer der besten Piloten der Welt. Die Marken Buick und Chevrolet gelangten durch ihn zu grosser Berühmtheit. Tragischerweise verunfallte sein Bruder Gaston bei einem dieser Rennen tödlich; Louis Chevrolet beendete daraufhin seine glanzvolle Karriere.

Geboren wurde dieser geniale Pionier an Weihnachten 1878 in La Chaux-de-Fonds. Sein Vater war Uhrmacher und Bauer; die Wirtschaftskrise des ausgehenden 19. Jahrhunderts zwang die Familie schliesslich, nach Frankreich auszuwandern. Die fünf jüngeren Geschwister folgten später ihrem grossen Bruder in die USA. Am 6 Juni 1941 starb Louis Chevrolet, erst 62-jährig; begraben ist er in Indianapolis, der Stadt seiner Faszination und seiner grossen Erfolge.

Peter Monteverdi
(1934 – 1998)
Als Sohn eines Autohändlers und Garagisten in Binningen BL wuchs Peter Monteverdisozusagen mit Motoren auf. Den Beruf des Automechanikers lernte er bei einem Traktorenhersteller in Vevey und beim Lastwagenfabrikanten Saurer in Arbon. Nach dem Tod des Vaters übernahm er im Jahr 1954 den Betrieb, welcher sich dank seinem Talent bald zum Hersteller von Luxusfahrzeugen und Rennwagen entwickelte. Die Kenner unter unseren Leserinnen und Lesern erinnern sich bestimmt an das Binninger Monteverdi-Museum, das leider 2016 geschlossen wurde. Wer die Genialität der Monteverdi-Autos heute erleben möchte, kann im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern 22 Monteverdi aus jener Sammlung bestaunen.

Wie Louis Chevrolet war auch Peter Monteverdi ein begeisterter Autorennfahrer. Er nahm als Ferrari-, Lotus-, Renault- und Mercedes-Pilot an unzähligen Bergrennen, Rund- und Langstreckenrennen teil und wurde mehrfacher Sieger. 1961 beendete er die aktive Teilnahme am Rennsport. Seine anschliessende Karriere als Autobauer und -konzessionär ist geprägt von Superlativen: Schon 1957 war er der weltweit jüngste Ferrari-Händler, später übernahm er die Vertretungen für Lancia, Bentley und Jensen. Seine Genialität bewies er aber vor allem beim Konstruieren von aussergewöhnlichen Autos mit exklusivem Design und Motoren, die den Puls jedes Autofans in die Höhe trieben. Sein «MBM Formel 1» war das erste in der Schweiz gebaute Formel-1-Fahrzeug.

Später baute Monteverdi zusammen mit italienischen Karossiers mehrere exklusive Sportwagen sowie luxuriöse Geländewagen und Limousinen. Zur Legende geworden sind etwa der Monteverdi High Speed 375L, das Cabrio Monteverdi Sierra und das Sportmodell Monteverdi Hai 450 GTS. Auch zahlreiche Prototypen und Einzelstücke sind erhalten, mit denen er Grosses vorhatte. Die Frage, warum daraus nie ein definitiver Durchbruch oder ein Verkaufserfolg in grossem Massstab wurde, ist schwer zu beantworten. Peter Monteverdi war zweifellos ein unglaublich vielseitiges Genie in sämtlichen Sparten des  Auto-Pioniertums.


Der legendäre Monteverdi High Speed 375 L begeistert Fans bis heute Bild: barfi.ch