Seniorin 2019 | 2

Vielfältige plastische Kunst im Naturgarten

Hoffnung auf mehr Idealismus und Pathos in der Kunst: Bis 8. September 2019 zeigt der Kulturort Weiertal an der Peripherie von Winterthur zum Thema «Paradise, lost» Plastiken und Skulpturen von 25 Kunstschaffenden aus dem näheren Umkreis von Winterthur.

Das Weiertal ist ein spezieller Kulturort, den man gerne aufsucht. Maja und Richard von Meiss haben inmitten grüner Felder und umrahmt von dichtem Wald einen sehenswerten Kunstgarten mit Weihern, Bachläufen, Obstbaumhain, Datscha, Bistro und Sitzplätzen draussen geschaffen, in dem seit 2009 plastische Kunstwerke gezeigt werden. Zudem unterhält Maja von Meiss in der Scheune des ehemaligen Gasthofs eine Galerie mit zeitgenössischem Kunstschaffen und organisiert Lesungen, Konzerte und künstlerische Performances aller Art.

Raumgreifende Skulpturen, verspielte Objekte
Alle zwei Jahre findet die jurierte Skulpturen-Biennale Weiertal statt. In diesem Jahr steht die Biennale unter dem Titel «Paradise, lost». Zusammengestellt hat die Ausstellung Kurator und Publizist Christoph Doswald, seit 2009 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich und seit 2012 im Vorstand von visarte schweiz. Eingeladen wurden ­25 Künstlerinnen und Künstler aus dem näheren Umkreis von Winterthur, die mit neuen Objekten, Installationen, Video-, Audio- und Neonarbeiten vertreten sind. Erstmals sind auch Werke ausserhalb des Kulturgartens platziert.

Die neue Ausstellung fragt danach, «was passiert, wenn sich Kunst ausserhalb definierter Grenzen und Kontexte exponiert». Gesamtgesellschaftliche Fragen wie der Umgang mit der Globalisierung und den Fremden oder dem Umweltschutz sollen angesprochen werden. Tatsächlich erschliesst sich die Komplexität der Ausstellung oft nur durch eine intensive und kritische Beschäftigung mit den ausgestellten Werken. Zu sehen ist vielfältiges plastisches Kunstschaffen, so raumgreifende Skulpturen, verspielte Objekte, enthoben aller Zweckmässigkeit, kritische und abstrakte Werke, die entschlüsselt werden wollen. Nachfolgend sind einige wenige Werke herausgegriffen, die die vielschichtige und teils widersprüchliche Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema illustrieren.

Aufblasbare Einhörner auf dem grossen Teich
«Floating Maniacs» titelt Olaf Breuning seine verspielte Installation im grossen Weiher. Auf der Wasseroberfläche schwimmen aufblasbare Einhörner mit Menschenpuppen drauf, die je nach Windeinfall ein Wasserballett aufführen. Der Künstler versteht sein Werk als Zeitdokument, als weitere aufregende Stimulation, in der nichts mehr so viel bedeutet, die Informationsflut uns erdrückt und wir der weiteren Herausforderungen harren. Hybride Fabelwesen zeigt Maja Hürst mit ihrer Installation «Wolpertikas», die, schön platziert am kleinen Teich, eine verspielt-synthetische Ästhetik verströmen. Katja Schenker präsentiert im Eingangsbereich eine Skulptur aus Asphalt, quasi einen Sommer-Schneemann mit dem Namen «Efi», der an die Vergänglichkeit erinnern soll.

Von Weitem sichtbar ist die Bretterwand mit der apokalyptischen Aufschrift «The End is Near» von Beni Bischof. In dadaistischer Manier wird die Endzeitfantasie angeregt. Ein vielschichtiges künstlerisches Oeuvre zeigt Martin Senn mit «Salamander», einem märchenhaft-hybriden Fahrzeug auf der Brücke, halb Velo, halb Wohnmobil, mit Surfbrett, das zum Sinnieren einlädt. Aus Beton gefertigt steht im Obstgarten die Figur «Sleeping Sculpture» von Christopher T. Hunziker, eine nackte, schlafende Menschenfigur, die trotz ihrer Grösse eine poetisch-schwebende Wirkung entfaltet.

Beliebtes Ausflugsziel der Stadt Winterthur
Das Weiertal, einst ein landwirtschaftliches Gehöft der Gerichtsherrschaft Wülflingen, ist ein beliebtes Ausflugsziel der Stadt Winterthur. Der Gasthof Weiertal lockte früher an Wochenenden viele Familien mit ihren Kindern an; dessen Apfelmost und Speckplättli sowie die jährliche Metzgete sind heute noch legendär. Es fanden traditionelle Theateraufführungen und wöchentliche Männerchorproben statt. 1982 erwarb das Ehepaar von Meiss das Landgut samt Weinberg und verwandelte diesen in den Folgejahren in einen zauberhaften Garten mit Obstbäumen und zwei kleinen Teichen. Maja von Meiss brachte die ehemalige Kulturtradition ins Weiertal zurück, unterhält im ehemaligen Gasthof eine Galerie mit zeitgenössischen Kunstwerken und organisiert alljährlich im sehenswerten Kunstgarten Skulpturenausstellungen. Ziel des Kunstgartens sei es, «zeitgenössisches dreidimensionales Kunstschaffen in seinen vielseitigen Dimensionen zu fördern und zum Verständnis aktuellen skulpturalen Schaffens beizutragen», schreibt die Galerie Weiertal auf ihrer Homepage. Sie tut es mit wachsendem Erfolg.

Die Biennale «Paradise, lost» dauert bis 8. September und ist Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Träumender Riese aus Beton: «Sleeping Sculpture» von
Christopher T. Hunziker
Alle Bilder: Linus Baur

Apokalyptisches Warnbild: «The Ende is near» von Beni Bischofe

Zu Gast :

Restaurant
Metropol

Ivan Kuhn
Eigentlich war da der Wunsch der Redaktion für einen Bericht über den Besuch im neu umgebauten Bauschänzli, oder Buuschänzli, wie die Zürcher die prägnante sechseckige Festungsinsel im Limmatausfluss des Zürichsees nennen. Leider war bis Redaktionsschluss die Witterung nicht angenehm genug für eine Mahlzeit im Freien, sodass wir uns für einen Lunch im nahegelegenen Restaurant Metropol entschieden. Ein Entschluss, den wir keinen Moment bereuten. Das prächtige, neubarocke Gebäude mit seinen markanten Arkaden an der Fraumünsterstrasse war bei seinem Bau im Jahre 1892 das erste Geschäftshaus Zürichs ohne Wohneinheit. Nach einer umfassenden Sanierung beherbergt das Haus heute im Erdgeschoss ein elegantes Restaurant, das eine originelle Küche mit japanischen und klassischen europäischen Einflüssen pflegt.
Nach einem tiefen Blick in die umfangreiche Speisekarte bestellten wir die als Menü angebotene Bento-Box, wahlweise mit Fleisch oder Fisch (je Fr. 45.–) Eine Bento-Box ist keine stillose Styropor-Box, wie der Name implizieren könnte, sondern ein hübsches Holztablett mit einem kompletten 3-Gang-Menü: eine Schale Suppe, eine kleine Schüssel mit Sushi und Sashimi und wahlweise gewünschte Fisch- oder Fleischteller inkl. Beilage. Alles perfekt und geschmackvoll zubereitet. Eine vegetarische Version ist ebenfalls erhältlich. Ein fruchtig-säuerliches Mangomousse als Dessert (Fr. 10.–) rundete die Mahlzeit ab. Die Auswahl von Weinen im Offenausschank ist vielfältig und von bester Qualität. Wir entschieden uns als Aperitif für ein Glas Riesling von der Mosel (Fr. 9.–/dl) und einen würzigen Ribera del Duero aus Spanien (10.–/dl) als Begleiter des Hauptganges. Aber auch die umfassende Auswahl an Flaschenweinen besticht durch kundenfreundliche Kalkulation. Vollends eingenommen hat uns die kompetente und zuvorkommende Bedienung.

Das Metropol ist nicht nur ein räumlich grosszügiges Restaurant, sondern auch Café und Bar. Für Jazzfreunde finden von Juni bis August unter den Arkaden jeweils am Mittwochabend Konzerte statt. Die Website www.metropol-restaurant.ch enthält alle Informationen über die Konzerte wie auch über das kulinarische Angebot des Restaurants.

Restaurant-Cafe-Bar Metropol
Fraumünsterstrasse 12
8001 Zürich
Tel. 044 200 59 00
Montag bis Samstag 11.30–14.00, 18.00–22.00
Cafe und Bar sind 7 Tage die Woche geöffnet