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Zürcher S-Bahn weiter auf Expansionskurs

Die Zürcher S-Bahn wird allmählich Opfer ihres eigenen Erfolgs. Oft sind die Züge überfüllt und das Schienensetz ist überlastet. Mit der S-Bahn zweiter Generation wollen die Verkehrsplaner die Kapazität bis 2035 verdoppeln. Zuerst sind aber Engpässe zu beseitigen und Perrons zu verlängern.

Vor über 30 Jahren legte das Zürcher Stimmvolk das Fundament für die heutige S-Bahn. Nachdem es 1971 Nein zu einer kombinierten U- und S-Bahn gesagt hatte, hiess es 1981 die reine S-Bahn deutlich gut. 1988 folgte die gesetzliche Grundlage für den Zürcher Verkehrsverbund ZVV, der das Stimmvolk ebenfalls deutlich zustimmte. Nach einer Bauzeit von neun Jahren rollte am 27. Mai 1990 der erste Zug der Zürcher S-Bahn in den Bahnhof Stadelhofen ein. Es war ein Meilenstein in der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich, der fast 700 Millionen Franken investiert hatte.

Passagierzahlen mehr als verdreifacht
Der Erfolg liess nicht auf sich warten. Schon bald stiess das ZVV-Angebot auf einzelnen Linien an seine Kapazitätsgrenzen. Die Passagierzahlen haben sich seit Mai 1990 weit mehr als verdreifacht. Das S-Bahn-Netz hat bereits drei umfangreiche Erweiterungen hinter sich. Bis Ende 2018 wurde die vierte Teilergänzung der Zürcher S-Bahn realisiert. Diese Investitionen in weitere Infrastrukturausbauten waren nötig, um die prognostizierte Zunahme des öffentlichen Verkehrs in und um den Kanton Zürich auf absehbare Zeit bewältigen zu können.

Die Basis dazu wurde 2014 mit der Eröffnung des zweiten unterirdischen Durchgangsbahnhofs Löwenstrasse sowie der vollständigen Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Ende 2015 geschaffen. Damit hat der Hauptbahnhof Zürich als Zentrum des Zürcher S-Bahn-Netzes ausreichend Kapazität, um die prognostizierte Zunahme des öffentlichen Verkehrs auf absehbare Zeit bewältigen zu können.

Inneres und äusseres S-Bahn-Netz
Heute ist die Rede von der S-Bahn der zweiten Generation (S-Bahn 2G). Damit wollen die Verkehrsplaner des ZVV und der SBB die Kapazitäten auf dem Zürcher Bahnnetz langfristig verdoppeln. Die bis Ende 2018 erfolgten Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn haben Entlastungen und eine Angebotssteigerung von 25 Prozent gebracht. Primäres Ziel von S-Bahn 2G ist, das vorhandene Schienennetz noch intensiver zu nutzen. So werden die fahrplanmässigen Zugsfolgezeiten von heute 3 neu auf 2 Minuten verkürzt.

Die grösste Änderung ist aber die Teilung des S-Bahn-Netzes in einen inneren und einen äusseren Express-Bereich. Damit soll die Passagierkapazität langfristig verdoppelt werden. Die innere S-Bahn erschliesst die Stadt Zürich und den engeren Agglomerationsgürtel, begrenzt durch die Orte Horgen, Dietikon, Bülach, Winterthur, Uster und Meilen, und fährt mindestens im Viertelstundentakt. Die Express-S-Bahn bedient sämtliche Haltestellen ausserhalb des inneren Perimeters und fährt danach ohne Halt an die wichtigen Stadtbahnhöfe Stadelhofen, Hardbrücke, Oerlikon, Enge, Altstetten und den Hauptbahnhof Zürich.

All das ist jedoch nur möglich nach der Beseitigung der grössten Engpässe im Schienennetz. Voraussetzung sind deshalb der Bau des Brüttener Tunnels zwischen Winterthur-Tössfeld und Bassersdorf samt Abzweiger nach Dietlikon sowie der Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen um ein viertes Gleis und der Bau einer zweiten Tunnelröhre nach Tiefenbrunnen. Hinzu kommen weitere infrastrukturelle Anpassungen, wie neue Doppelspurstrecken oder Perronverlängerungen an Bahnhöfen.

Dafür hat der Bundesrat im letzten September den eidgenössischen Räten für den grösseren Ausbauschritt 2030/35 11,5 Milliarden Franken beantragt. Darin wäre auch die Finanzierung des vierten Gleises im Bahnhof Stadelhofen enthalten. Zwischenzeitlich haben die eidgenössischen Räte den bundesrätlichen Antrag zum Ausbau der Bahninfrastruktur auf 12,89 Milliarden erhöht. Damit werden auch die im Grossraum Zürich vorgesehenen Kapazitätsweiterungen realisierbar.

Für die S-Bahn 2G soll auch das Rollmaterial angepasst werden. Angedacht ist, auf der Express-S-Bahn Doppelstöcker fahren zu lassen, während auf der inneren S-Bahn neues Rollmaterial zum Einsatz kommt. Diese neuen einstöckigen Züge sollen einen schnelleren Fahrgastwechsel ermöglichen, was sich vorteilhaft auf die Pünktlichkeit und Fahrplanstabilität auswirkt.