Auf dem Glatteis holen sich die Curler Fitness und Freude

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Curling ist gut für Körper und Geist. Wer Curling spielt, braucht Kondition und Konzentration. Dieser Sport eignet sich darum besonders für Menschen, die rundum agil bleiben wollen. Seit weit über 100 Jahren gibt es Curlingturniere. Pioniere waren einmal mehr die Engadiner.

 

Je älter wir werden, desto wichtiger wird die Förderung des Gleichgewichts. Sicheres Stehen auf unsicherem Untergrund ermöglicht uns, länger am Alltagsleben teilzunehmen. Denken Sie nur ans Busfahren, ans Gehen über Kopfsteinpflaster oder das tägliche Anziehen der Hose.

Curling als Gleichgewichtstraining
Wer sich nun aufs Glatteis wagt, trainiert seine Gleichgewichtsfähigkeiten ganz nebenbei, mit Lust und ohne teure Fitnessgeräte. Während eines zweistündigen Spiels läuft man rund fünfzigmal die vierzig Meter lange Piste rauf und runter und das in verschiedenen Tempi. Dabei wird das Hirn stark gefordert und ist immer bedacht, das Gleichgewicht zu halten. Dass bei diesen Wischeinsätzen auch noch die Oberkörpermuskulatur gestärkt wird und einige Kalorien verbraucht werden, sei hier als positive Randnotiz erwähnt.

Curling erlernen im zweiten Sportler(innen)-Leben
Eine beachtliche Anzahl der Freizeitcurler, die in der Schweiz in rund 150 Clubs organisiert sind, haben den Reiz des Spiels erst im Alter zwischen 40 und 50 Jahren oder noch später entdeckt. Die persönlichen Höhenflüge im Fuss- oder Handball sind vorbei, die Jungen sind besser und die ersten Beschwerden an Knochen und Muskeln lassen einen vorsichtiger werden. Was nun tun, wenn man eine Betätigung im Team sucht oder nochmals klare Ambitionen verspürt? Die Auswahl an geeigneten Mannschaftssportarten wird im Alter sehr klein. Golf und Joggen sind zwar spannend, aber irgend etwas fehlt, und zwar das, was eben ein Team ausmacht – das Miteinander, die Freude am gemeinsamen Sieg und der kollektive Frust in der Niederlage. Diese irrationalen, emotionalen Gefühle erlebt man so nur als und im Team.

Curling als Koordinationstraining
Was im Fernsehen immer so leicht aussieht, wenn unsere Spitzenteams filigran aus dem Hack herausgefahren kommen bei ihrer Steinabgabe, ist ein gut austariertes Zusammenspiel von Muskulatur, Gehirn und Nerven. Es braucht etwas Training, bis man das einigermassen so hinkriegt. Wer aber die Stabilität in der Tiefenmuskulatur und in der Wirbelsäule erreicht, kann eine beachtliche Sensitivität fürs Gleichgewicht vorweisen. Wenn man dann noch lernt, die Reaktionszeit zwischen den verschiedenen Muskelgruppen zu optimieren, sollte auch die Steingeschwindigkeit so kontrolliert sein, dass die 20 kg schwere Granitkugel genau dort zu stehen kommt, wo es gewünscht ist. Selbstverständlich spielen beim Curlingspiel auch unsere beiden Hirnhälften mit. Es fällt nämlich nicht jedem Spielenden gleich leicht, den Stein mit Links- oder Rechtsdrehung abzuspielen.

Die Engadiner waren Pioniere. Hier auf dem Eis in St. Moritz Bilder: zvg
Die Engadiner waren Pioniere. Hier auf dem Eis in St. Moritz Bilder: zvg

Turniere gehören dazu
Das haben die Engadiner schon früh entdeckt. Der Curling Club St. Moritz beispielsweise gehört nicht zu den Spitzenclubs der Schweiz. Aber sicherlich zu den Pionieren dieser Sportart. Bereits 1894 wurden die St. Moritzer Feriencurler in den Royal Caledonian Curling Club aufgenommen und ab 1895 spielte man um die «Royal Caledonian Medal». Überliefert ist auch das Datum des traditionsreichen Jackson-Cup. 1898, vor 122 Jahren, wurde dieses Turnier erstmals ausgetragen. Heute zählt es zu den ältesten Mannschaftsturnieren auf dem Kontinent. Bis zu zwanzig Teams beteiligen sich jährlich an diesem zwei Tage dauernden Anlass und kämpfen mit Engagement um den prestigeträchtigen Sieg. Gespielt wird auf Natureis inmitten des faszinierenden Oberengadiner Panoramas. Um ganz vorne dabei zu sein, braucht es Erfahrung mit dem «tricky» Eis, Kondition, Konzentration, eine ruhige Hand, Teamgeist und auch etwas Glück. Alles Attribute, welche auch mit «Ü 60» durchaus noch vorhanden sind. Darum haben auch Teams mit höherem Altersdurchschnitt reelle Chancen, den Cup zu gewinnen.

Die Seele baumeln lassen
Während des Spiels sind Konzentration und Kondition gefragt. Wer zu früh entspannt und glaubt, den Sieg auf sicher zu haben, wird meist kurz vor der Ziellinie abgefangen. Es ist daher ratsam, sich wirklich auf das Spiel zu fokussieren und den Smalltalk zu unterlassen. Um so schöner dann nach Spielschluss. Der gemein-same Apéro beider Teams ist fast so wichtig wie das Spiel. In jeder Halle befindet sich im Restaurant pro Spielbahn ein Tisch mit acht Plätzen. Da pflegt man dann die Seele, manchmal länger als geplant, und so manche Niederlage erscheint dann im Nachhinein in versöhnlichem Licht.

 

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