Weniger wegwerfen ist gelebter Umweltschutz

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Wir alle wissen es seit Kindheit: Esswaren werden nicht weggeworfen! So ganz konsequent wurde das im Lauf der Zeit nicht mehr eingehalten. Eine neue Bewegung entstand. Diese hat sich rasch etabliert. Und gelehrt, dass kluges Einkaufen Voraussetzung ist für wenig Food Waste.

 

Viele von uns bewegen sich immer wieder im Spagat zwischen Verantwortung für die Umwelt und Verzicht beim Einkaufen, Essen, Trinken, Reisen und im Leben ganz allgemein. Wir suchen Wege und Mittel, wie wir unser Leben verändern können, damit es nachhaltiger wird, weniger Umweltschaden anrichtet und weiterhin Freude bereitet. Zwar soll der Tisch immer gedeckt sein und doch sollte nichts weggeworfen werden. Da braucht es gute Ideen.

Weniger Abfall beginnt beim Einkauf
Die Website www.foodwaste.ch wirbt mit dem Bekenntnis «Aus Liebe zum Essen». Im Jahr 2012 gegründet, schreibt der Verein Food Waste über sich: «Wer weiss, woher sein Essen kommt und wie viel Einsatz und Liebe mit dessen Herstellung verbunden ist, trägt auch Sorge dazu». Zwischen Feld und Tisch geht jedes dritte Lebensmittel verloren oder wird weggeworfen. Das kann schon bei der Produktion geschehen, beim Transport, zuhause oder im Restaurant. Das gibt, schreibt der Verein, auf Lastwagen geladen, jedes Jahr eine Kolonne von Zürich nach Madrid. Jedenfalls belastet ein Drittel der Lebensmittelproduktion die Umwelt völlig unnötig. Diese Menge kann sicher verringert werden. So ist die Website des Vereins ein wahrer Fundus von Informationen und Anregungen. In fünf Schritten wird zum Beispiel aufgezeigt, wie Food Waste im eigenen Leben vermieden werden kann. Da hat es Tipps zum clever Einkaufen, optimal Lagern, richtig Portionieren, Spass am Kochen und gemeinsam geniessen. Seit einigen Jahren pflegt Food Waste auch eine Ausstellung zum Thema. Diese wurde überarbeitet und wird ab diesem Jahr in Schulen und bei Veranstaltungen gezeigt. Opening ist im April an der BEA in Bern.

Alles wird verwendet, nichts weggeworfen
Food Waste kann auch verhindert werden, indem von Anfang an mehr verwendet und weniger weggeworfen wird. Die Journalistin Esther Kern, die seit 2002 die Website www.waskochen.ch gestaltet, hat die Initiative Leaf-to-Root (www.leaf-to-root.com) ins Leben gerufen. Kurz: Sei es vom Tier oder vom Gemüse – alles wird gegessen. Nicht nur die schönen, mageren Filets und die perfekten Rüebli, sondern auch die krummen und das Kraut dazu. Neu ist das nicht, aber neu entdeckt. Denn wer in alten Kochbüchern schmökert, sieht, dass die Menschen früher darauf angewiesen waren, beispielsweise von einem geschlachteten Tier alles zu verwenden. Nicht aus Verantwortung gegenüber der Umwelt, sondern weil es sich niemand leisten konnte und wollte, etwas wegzuwerfen. Mit Phantasie, Kreativität und etwas Anleitung kann viel vom dem, was heute als überflüssig weggeworfen wird, im Kochtopf und auf dem Teller landen. Die Idee kommt gut an.

Less Waste gab es schon früher
Die Abfallmengen, die wir produzieren, ist geradezu explodiert. Ich erinnere mich gut an den Zweipersonenhaushalt meiner Grosseltern, der regelmässig um Familienmitglieder und Gäste ergänzt wurde. Jeden Sonntagabend, manchmal gar nur jeden zweiten Sonntagabend trug mein Grossvater einen, nur einen, mehr oder weniger vollen Ochsner-Kübel zum Wendeplatz des Abfuhrautos, wo, meist erst nach dem Einnachten, schon eine Miniarmada gleicher Kübel wartete. Ein Kübel in einer Woche! Nicht ganz Zero Waste, aber nahezu.

Auf dem Weg zu Zero Waste
Zero Waste hat sich das Gaia Hotel www.gaiahotel.ch in Basel verschrieben. Es soll dieses Jahr sogar ganz zum Zero Waste Hotel werden, indem das altbackene Brot den Elefanten im Basler Zoo verfüttert und der Kaffeesatz für die Pilzzucht verwendet wird; die zurückbleibenden Gästeseifen werden recycelt und kommen in gefährdeten Gebieten wieder zum Einsatz. Und sind die Hoteliers auf Kurs? Auf meine Frage, ob sie ihr Ziel erreichen und mit dem Ergebnis zufrieden sind, schreibt Philip Moser vom Gaia Hotel: «Seit 2015 verfolgen wir eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie. Wir haben schon viele Ziele erreicht. Das Frühstücksbuffet besteht beispielsweise ausschliesslich aus Bio-Produkten, in den Hotelzimmern dürfen Gäste in biologisch abbaubare Slipper schlüpfen und wir haben verschiedenste Massnamen ergriffen, um Food Waste zu vermeiden. Zwar sind wir mit dem Erreichten zufrieden, jedoch arbeiten wir täglich daran, die Nachhaltigkeit des Vier-Sterne-Hotels weiter zu verbessern. Wir wissen, dass es noch viel zu tun gibt und deshalb setzen wir uns in regelmässigen Abständen neue hochgesteckte Ziele. Mittlerweile werden wir sogar von unseren Gästen unterstützt, die uns Verbesserungen vorschlagen, damit wir noch nachhaltiger werden.»

Viel zu gut um weggeworfen zu werden
Die App «TooGoodToGo» bietet rund um die Uhr Mahlzeiten zu günstigen Preisen an, die sonst weggeworfen würden. «Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, ist etwas vom Wichtigsten, was wir gegen den Klimawandel tun können» schreibt die Aktion auf ihrer Website. Und tut etwas Praktisches. In der Schweiz arbeitet die App mit über 2 200 Betrieben zusammen, in ganz Europa sind es sogar über 40 000. Besonders spannend ist dabei, dass sie bei entsprechender Einstellung den Standort des Nutzers erkennt und ohne langes Suchen Angebote in der direkten Umgebung liefert.

Wer also Nachhaltigkeit und Sorge für die Umwelt nur mit Verboten und Einschränkungen verbindet, sieht das falsch. Hier entsteht eine völlig neue Welt, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und trotzdem Spass haben will.

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