Altes Obst – einheimisches Superfood vor der Haustüre

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Sie haben Waldränder, Wiesen und Gärten gesäumt: Schwarzdorn, Felsenbirne, Holunder, Hagebutte oder Kornelkirschen (Tierlibaum). Doch sind sie kaum mehr anzutreffen. Das ist bedauerlich, denn vor unserer Haustüre lägen wertvolle Nährstoffe.

 

Da die genannten Sträucher seit längerer Zeit schon als unmodern gelten, sind sie kaum mehr anzutreffen. Dies liegt zum einen an der zunehmend intensiven Nutzung von Landwirtschaftsflächen, zum anderen an der privaten Gartengestaltung. Dabei wären alte Wildobstsorten für Tier und Mensch enorm wertvoll: Sie bieten Insekten, Vögeln oder Igeln einen Lebensraum und Nahrung, und wir Menschen könnten von den äusserst wertvollen Inhaltsstoffen ihrer Früchte profitieren.

Einheimische Beeren vs. Superfood aus Übersee
Für die Inhaltsstoffe gesunder Beeren und Früchte wird derzeit sehr viel Geld ausgegeben. Wer Antioxidantien, hepatoprotektive oder lipidsenkende Stoffe zu sich nehmen möchte, kauft Superfood aus Übersee und nicht einfach getrocknete Beeren von alten heimischen Obstsorten.
Die derzeit am häufigsten verkauften Superfoods sind Goji- und Aroniabeeren. Bei uns sind diese Sträucher als Bocksdorn und Apfelbeere bekannt. Beide sind hier gut assimiliert, gehören aber nicht zum typischen «Alten Obst». Dazu gehören die eingangs genannten, und unter diesen lohnt sich ein Blick in die Steckbriefe der Schlehe (Schwarzdornfrucht) und der Hagebutte.

Die Früchte des dornenreichen Schlehdorns enthalten Wirkstoffe, die dem Körper in der kalten Jahreszeit nützen.

Entzündungshemmer Schlehe
Wenn Sie die Schlehenfrucht jetzt im September probieren, so werden Sie diese als absolut ungeniessbar einstufen: Was aussieht wie eine kleine Pflaume, schmeckt sauer, herb und pelzig. Erst wenn die Frucht die erste Frosteinwirkung hinter sich hatte, wird die sie genussreif. Die Schlehe enthält unter anderem reichlich Gerbstoffe, die zusammenziehend und entzündungshemmend wirken.
Die Wirkstoffe der Schlehe sind gut untersucht und sie werden beispielsweise in der Behandlung von Mund- und Rachenentzündungen, bei Verstopfung oder in harntreibenden Arzneien eingesetzt, aber auch bei diversen Hauterkrankungen oder in der Wundheilung.

Vitamin-C-Spritzen Hagebutte und Sanddorn
Die Hagebutte (Hundrose) ist bekannt für den hohen Vitamin-C-Gehalt, sie enthält, wie die Schlehe auch, Gerbstoffe und Flavonoide sowie Carotinoide. Dies ist ein antioxidativer Stoff, der eine Wirkung in der Prävention von Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen hat. Bei der Hagebutte werden vor allem die rotfleischigen Schalen und nicht die Nüsschen in der Mitte verwendet. Bezüglich Vitamin-C-Gehalt ist Sanddorn Spitzenreiter, gefolgt von Hagebutte.
Alle genannten Wildfrüchte haben gewisse ­Gemeinsamkeiten: Sie enthalten viele entzündungs- und keimhemmende, antioxidative und adstringierende (zusammenziehende, wundheilende) Substanzen. Also alles Wirkstoffe, deren Bedarf in der kalten und dunklen Jahreszeit, mit vermehrter Grippe-Exposition, erhöht ist.

Mit «altem Obst» fit durch den Winter
Antioxidative Substanzen sind wärme-, luft- und lichtempfindlich. Nur schon aus diesem Grund lohnt es sich, auf heimische Beeren und Früchte zu setzen, die keine langen Transportwege hinter sich haben.
Falls Sie in der glücklichen Lage sind, Beeren und Früchte aus dem eigenen Garten oder aus der nahen Umgebung ernten zu können, so trockenen Sie diese an einem lichtarmen, trockenen Ort. Bis zum Verbrauch sollten sie luftdichtverpackt an einem dunklen Ort gelagert oder auch tiefgekühlt werden. Wer bei der Verwendung den grösstmöglichen Nutzen erzielen möchte, erhitzt die Früchte nicht lange oder stark.

Zubereitungstipps für «altes Obst»
Sie können getrocknete oder tiefgekühlte Beeren in Müesli, püriert in Säften oder auch ergänzend in Kompott, einsetzen. Natürlich kann man auch Konfi oder Tee damit zubereiten. Durch den Kochprozess werden die enthaltenen Mineralstoffe und auch viele der bioaktiven Substanzen nicht zerstört. Die Apfelbeere (hiesige Aronia) enthält viel Pektin und eine herbe Säure und eignet sich darum in der Herstellung von Konfitüre (z. B. Zwetschge) hervorragend.

In St. Gallen gibt es die Wildobst-Sammlung
Wenn Sie mehr über altes Obst, seine Verwendung und den Anbau einheimischer Sträucher erfahren möchten, können Sie die neue Wildobst-Sammlung im Botanischen Garten St. Gallen besuchen.

Haben Sie Fragen?
Ruth Ellenberger vom Ernährungszentrum Zürich führt in «seniorin» diesen Ernährungsblog. Wenn auch Sie eine Frage zur Ernährung haben, schreiben Sie ihr eine Mail an kontakt@ezch.ch und mit ein bisschen Glück wird sie in der nächsten Ausgabe von «seniorin» beantwortet.

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