Beliebter Aargauer Wein – von den Römern bis heute

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Die ersten Funde zur Weinkultur des Kantons Aargau stammen aus den Römerlagern von Windisch, Augst und Zurzach. Den Klöstern und dem Adel ist es zu verdanken, dass der Weinbau im Mittelalter nicht ausstarb. Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Ausdehnung den Höchststand.

 

Im Jahr 1860 wurden im Kanton Aargau 500 Hektaren mehr Rebfläche bewirtschaftet als im Kanton Wallis, nämlich 2700 gegenüber 2200 Hektaren. Heute ist diese auf knapp 400 Hektaren gesunken. Trotzdem gilt der Aargau heute nach Zürich, Schaffhausen und Graubünden als der viertgrösste Deutschschweizer Weinbaukanton. Seine Rebberge liegen auf dem gleichen Breitengrad wie das weltweit bekannte Burgund. Interessant ist, dass die Niederschlagsmenge niedriger ist als in der Sonnenstube Tessin.

Tradition gepaart mit Innovation
Die topografische Vielfalt, die unterschiedlichen Bodenverhältnisse entlang von Flüssen oder Seen oder an den Jurahängen sowie die mikroklimatischen Gegebenheiten führen dazu, dass der Weinbau im Aargau den Anspruch erheben kann, in der Deutschschweiz einzigartig zu sein.
In rund 70 Gemeinden wird heute Weinbau betrieben. Nebst den traditionellen Weinbaugemeinden sind auch Dörfer dazu gekommen, welche die Kunst des Weinbaus wiederentdeckt haben. In vielen Haupt- und Seitentälern des Kantons sind an exponierten Südhängen Rebberge entstanden, die ihren wertvollen Beitrag zur Aargauer Weinvielfalt leisten. Bewirtschaftet werden die Parzellen von gegen 1000 Wein- und Rebbauern. Erfreulich ist, dass immer mehr gut ausgebildete junge Winzerinnen und Winzer Verantwortung in den Weinkellern übernehmen und frischen Wind hineinbringen.

Qualität führt zum Erfolg
Heute werden vor allem zwei Hauptsorten angebaut, Blauburgunder und Riesling-Sylvaner. Im Aargau sind über 80 verschiedene Rebsorten zu finden, aus denen durchschnittlich 20 500 hl Wein gekeltert werden. Zunehmend werden Sorten wie Pinot gris, Gewürztraminer, Elbling, Räuschling, aber auch Sauvignon Blanc und Chardonnay als Spezialitäten angebaut. Zwei Drittel der Rebfläche sind mit blauen Sorten bestockt, ein Drittel mit weissen Trauben.

Noel Baumgartner im Weinberg. Bild: zvg

Die edlen Aargauer Weine haben wir dem hohen Qualitätsbewusstsein der Aargauer Winzerinnen und Winzer zu verdanken. Sie setzen konsequent auf qualitätsfördernde Massnahmen und Techniken. Auch wenn Aargauer Wein hauptsächlich im eigenen Kanton getrunken wird, erfreut er sich ausserhalb der Kantonsgrenzen immer grösserer Beliebtheit.

Wirtschaftliche Bedeutung
Der Aargauer Weinbau hat eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung. Anbauflächen, Erntemengen sowie die produzierten Weinmengen ergeben bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 13 bis 15 Franken pro Flasche einen jährlichen Gesamtbruttoumsatz von 36 bis 40 Mio. Franken.

Im Gespräch mit Lukas Baumgartner, Baumgartner Weinbau, Tegerfelden, erfahre ich mehr über einen typischen Familienbetrieb.

Seit wann besteht Baumgartner Weinbau, und war für dich die Übernahme des Betriebs immer selbstverständlich?
Mein Grossvater war Zimmermann und hatte bereits einen kleinen Rebberg. Mein Vater hat diesen als Hobby übernommen und ihn 1975 zum Weingut mit eigener Kelterei ausgebaut. Für mich war immer klar, dass ich den Beruf des Winzers erlernen möchte. 1983 habe ich eine Lehre in der Westschweiz absolviert und danach die Ausbildung zum Oenologen und im Bereich Marketing gemacht. Seit 2002 führe ich den Betrieb. Zugute kommt mir, dass mein Vater mich immer in die Führung des Betriebs mit einbezogen und mir viele Freiheiten gelassen hat. Weinbau bedeutet für mich Herzblut und Leidenschaft.

Die Qualitätsstruktur eures Sortiments gleiche einer Pyramide. Was darf man sich darunter vorstellen?
Das Besonders an unserem Weingut sind die fünf verschiedenen Standorte unserer Weinberge. Diese bieten uns unterschiedliche Böden und Mikroklimas. Es galt deshalb herauszufinden, was wo am besten gedeiht, und klare Angebotsstrukturen zu schaffen. Der Aufbau unseres Sortiments gleicht deshalb einer Pyramide. An der Spitze stehen die Grand-Cru-Weine – eine Selektion aus unseren Toplagen. Die grosse Mitte bildet unsere Terroir-Serie – sortenreine Lageweine sowie eine weisse und drei rote Assemblagen. Das Fundament bilden unsere Domaine-Weine, eine Basisauswahl auf hohem Niveau zu moderaten Preisen. In allen drei Bereichen gilt immer Qualität vor Menge. Im internationalen Vergleich ist dieses Pyramidensystem – das ­Herausstreichen der wertvollsten und rarsten Spitzenweine – Standard. Im Kanton Aargau ist es noch nicht überall Usus.

Als Mitglied des Vereins Wyschiff Schweizer Winzer bist du auf verschiedenen Wyschiffen und Wyschiff Events anzutreffen. Mit welchen Attributen propagieren Sie Aargauer Weine?
Selbstverständlich hissen wir immer die Aargauer Fahne! Spass beiseite, unsere Etiketten sind ein Blickfang, danach überzeugen wir die Besucher mit der Qualität unserer Weine und unserem Know-how.
Dabei sind junge Menschen offener, neugieriger und bedeutend entdeckungsfreudiger als ältere. Mittlerweile ist unsere ausserkantonale Kundschaft erfreulich gewachsen.

Du sprichst den Austausch mit anderen Produzenten an? Wie stark ist dieser geprägt von Konkurrenz?
Natürlich besteht ein Konkurrenzkampf, jedoch auf einem gesunden Niveau. Im Aargau gibt es auch einige Weinbaugenossenschaften, leider fehlt da oftmals das Herzblut. Meinen Austausch pflege ich mit zwei sehr guten Berufskollegen. Wir degustieren gemeinsam, fachsimpeln und teilen uns gewisse Maschinen.
Zudem habe ich 20 Jahre Lehrabschlussprüfungen abgenommen und durfte so viele Betriebe kennenlernen. Auch meine Einsätze für die Schweizer Hagelversicherung beim Abschätzen von Hagelschäden haben mir wertvolle Erfahrungen gebracht.

Gibt es bereits eine dritte Generation für Baumgartner Weinbau?
Unsere beiden Söhne sind mit Begeisterung bereit, Baumgartner Weinbau einmal zu übernehmen, und bilden sich entsprechend gut aus. Ein Familienbetrieb muss von allen mitgetragen werden. So beziehen meine Frau und ich unsere drei Kinder in die Prozesse unseres Betriebs mit ein und lassen sie auch einmal experimentieren. Nur so können wir das Weingut gemeinsam weiterentwickeln. Ein solcher Betrieb kann nicht einfach verkauft werden, darum ist eine sorgfältige und frühzeitig vorbereitete Übergabe zwingend.
Leider gibt es im Aargau nicht mehr viele zusätzliche Anbauflächen für neue Rebberge. Bereits heute keltern wir jedoch Trauben für rund 40 andere kleinere und grössere Betriebe ein, auch ausserkantonal. Die Erweiterung dieser Kapazitäten wird zurzeit von einem unserer Söhne analysiert.

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