Besinnlicher Dreiklang von Geschichte, Natur und Kunst

0
48
Etwas versteckt hinter Langenbruck, eingebettet in die hügelige Juralandschaft, befindet sich das Kloster Schönthal. Im 12. Jahrhundert als Benediktinerkloster gebaut, ist es heute ein Ort für Kunst. Das Herzstück der Klosteranlage ist der Skulpturenpark mit über 30 Skulpturen.

 

Das Kloster Schönthal mit seinem Skulpturenpark zählt seit 2000 zu den anerkannten europäischen Orten für zeitgenössische Skulpturenkunst. Hundert Hektaren Land gehören zum Kloster dazu. Zurzeit säumen rund 35 Werke von 22 internationalen und schweizerischen Künstlerinnen und Künstlern die Wege und Pfade rund um das Kloster. Die Sammlung wächst in aller Ruhe und im Sinne eines «work in progress».

Ein Outdoor-Museum, das jederzeit zugänglich ist
Das ehemalige Kloster mit der romanischen Klosterkirche ist das älteste Kloster des Kantons Basel-Landschaft und zählt zu den wichtigsten Kulturstätten der Region. Es wurde im 12. Jahrhundert erbaut und erstmals 1146 in einer Urkunde erwähnt. Von besonderer Bedeutung ist die aus sorgfältig behauenen Quadern gefügte Westfassade der Kirche mit ihrem romanischen Skulpturenschmuck in oberrheinischer Tradition. Links und rechts des Portals markieren ein zähnefletschender Löwe und ein schwerttragender Ritter wohl den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Dazwischen steht das Lamm Gottes als figürliches Zitat von Johannes 10,9: «Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und ausgehen und Weide finden.»

Heute befindet sich das Kloster in Privatbesitz und ist denkmalgeschützt. Es ist ein spiritueller und kultureller Begegnungsort mit Wechselausstellungen und einer Galerie. Im historischen Ensemble laden Räume für ­Seminare, Symposien und Kamingespräche, eine Herberge mit einer authentischen Klosterküche zum ungestörten Übernachten ein. In der Umgebung des Klosters wurde ein weitläufiger Skulpturenpark mit zeitgenössischer Kunst angelegt, der jederzeit zugänglich ist. Das Kloster erreicht man mit dem Postauto bis Langenbruck Post oder Langenbruck Unterdorf, von dort ist es in ca. 20 Minuten zu Fuss zu erreichen. Für Besucher mit dem Auto steht ein kleiner Parkplatz zur Verfügung.
Eigentümerin der Klosteranlage und des Skulpturenparks ist die Stiftung Edith Maryon, die 2018 mit der Stiftung Sculpture at Schoenthal fusionierte. Verantwortlich für die Gestaltung der Kunst- und Kulturprogramme und den gesamten Kultur- und Herbergebetrieb ist der neugegründete Verein Kloster Schönthal unter der Leitung von John Schmid, der das Klostergut 1986 gekauft und in der Folge renoviert hatte. John Schmid, ein erfolgreicher und mehrfach ausgezeichneter Werber, und seine 2001 gegründete Stiftung Sculpture at Schoenthal haben den Ort zu einem Gesamtwerk ausgebaut, in dem seit 2015 auf dem Hofgut auch die Biodiversität und die Artenvielfalt gefördert wird. Diese wird durch eine namhafte Fachgruppe aus dem Landschafts- und Naturschutz begleitet.
In seinem Klosterbrief vom Oktober 2019 an die Vereinsmitglieder und Gönner schreibt John Schmid: «Seit 2015 ist auf den 100 Hektaren eine biologische Vielfalt eingezogen. Über 60 Prozent mehr Tagfalter bevölkern die Bachsäume. Ein Paradies auch für Wildbienen. Und von BirdLife wurden 59 Brutvogelarten festgestellt. Hinter neuen Holzzäunen und Bruchsteinmauern bimmeln, blöken und grunzen gesunde Zaungäste.»

Kunstwerke zwischen Wiesen, Wald und Bächen
Herzstück der Klosteranlage ist der Skulpturenpark. Ausgangspunkt für Kunstspaziergänge ist die romanische Klosterkirche mit einer Galerie für wechselnde Ausstellungen. Gegenwärtig ist die mehrfach prämierte Künstlerin Andrea Wolfensberger mit Werken im Kirchenraum, im Klosterhof und im Abtzimmer vertreten (bis 8. November 2020). Es sind Werke aus Wellkarton und Faserzement, die von einem rhythmischen Auf und Ab zeugen. Zu sehen sind auch eine Serie von Bleistiftzeichnungen. «Partituren» nennt Andrea Wolfensberger die Serie, die Klänge verschiedener Vogelstimmen wiedergibt.

In der hügeligen Natur rund um das Kloster sind über 30 Skulpturen und Installationen platziert. Jeder der hier vertretenen Künstler hat eine Weile im Kloster residiert, die Landschaft auf sich wirken lassen und dann sein Kunstwerk für diesen Ort geschaffen. Die Kunstwerke sind zwischen Wiesen, Wald, Brombeerhecken und Bächen verstreut. Viele davon scheinen mit der Natur zu verschmelzen, beispielsweise die verkohlten Eichenbalken des Briten David Nash, die den steilen Aufstieg zu Beginn des Skulpturenparks säumen. Oben auf einem Hügel, auf dem Schönthalköpfli, stehen drei alte Linden, die singen. Die akustische Installation ist von Walter Fähndrich, einem Komponisten und Musiker. Er hat für das Kloster Schönthal eine Musik aus Sinustönen komponiert. Jeden Abend, bei Sonnenuntergang, fängt die Musik an zu spielen. Sie kommt aus zehn Lautsprechern, die unsichtbar im Wald aufgehängt sind.

Beteiligt am Skulpturenpark sind lauter bekannte internationale und schweizerische Künstlerinnen und Künstler, so Hans Josephson, Peter Kamm, Kurt Sigrist, Roman Signer, Miriam Cahn, Richard Long, Steiner & Lenzlinger, Not Vital, Gottfried Honegger, um nur einige zu nennen. Zwei bis drei Stunden muss man für den Rundweg durch den Skulpturenpark rechnen, um alle Werke zu sehen. An der Kasse beim Kloster kann man einen Wegplan kaufen, auf dem die Standorte verzeichnet sind.

Geboten wird im Kulturort Schönthal ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Natur und Kunst sowie eine herrliche Stille fernab von Hektik und Lärm. Das Kloster ist auch ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in der urtümlichen Juralandschaft.

Kommentieren Sie diesen Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein