Heilpflanzen: Evergreens für viele Beschwerden

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Zu allen Zeiten haben Menschen der Natur ihre Geheimnisse abgeguckt und herausgefunden, welche Pflanzen Krankheiten lindern und die Gesundheit fördern. Längst sind jedoch noch nicht alle Pflanzen der Welt auf ihre Heilwirkung erforscht – vielleicht erleben wir noch Überraschungen.

 

Die erste Heilpflanze, die ich schon als kleines Kind kennenlernte, war die Arnika. Mein Vater zeigte uns auf sommerlichen Spaziergängen im Engadin diese im Wald versteckte Blume mit dem kräftigen Gelb und dem starken Duft. Er kannte Leute, die als echte Bergler die Blüten sammelten, trockneten, in Alkohol einlegten und die Tinktur bei Muskel- und Gelenkschmerzen zum Einreiben verwendeten. Das wirkte. Grossmütter und Grossväter verfügten über eine ganze Palette von Naturheilmitteln, mit welchen schon ihre Vorfahren Schmerzen, Fieber und andere Beschwerden geheilt hatten.

Mythologie und Wissenschaft
Die Überlieferung aus alter Zeit steht immer am Anfang aller medizinischen Forschungsaktivitäten. Babylonische, altägyptische, altindische, chinesische und europäische Texte aus der Antike bezeugen dies millionenfach. Vom Bärlauch (Allium ursinum) sagt man zum Beispiel, dass er Bärenkräfte vermittle. Die Bärin war das heilige Tier der altgriechischen Jagdgöttin Artemis; die Vermutung liegt nahe, dass die Menschen in früher Zeit beobachtet hatten, wie gern Bären Bärlauch fressen. Der Frühlingsbote Bärlauch hat tatsächlich blutreinigende und antibakterielle Wirkung, enthält aber auch viel Vitamin C. Ein anderer interessanter Fall ist das Adonisröschen (Adonis aestuvalis). Es enthält Herzglykoside, die bei Herzrhythmusstörungen helfen. Daraus bildete sich in der Antike der Volksglaube, das Adonisröschen sei auch wirksam gegen Liebeskummer. Den Wettstreit der Göttinnen um die Gunst des Adonis, des schönsten jungen Mannes aller Zeiten, gewann natürlich Aphrodite, die Göttin der Liebe. Wer gern hier weiter forschen möchte, findet auf heilpraxisnet.de eine Fülle von Informationen, Hinweisen und Anekdoten.

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Empfehlenswert ist das Online-Lexikon der Heilpflanzen bei avogel.ch – hier finden Sie alles, was Sie wissen wollen, von A wie Alpenveilchen bis Z wie Zitronenmelisse.

 

Die Klöster: Zentren des medizinischen Wissens
Einen gewaltigen Fortschrittszuwachs erlebte die Pflanzenheilkunde während des Mittelalters. Vom 6. bis zum 12. Jahrhundert erkundeten Nonnen und Mönche in den Klöstern mit Hingabe die Heilkräfte der Pflanzen und Kräuter als Teil der göttlichen Schöpfung. Das war ein Quantensprung, denn zuvor, in ­germanisch-heidnischer Zeit, behalf man sich noch mit Zaubersprüchen und Beschwörungsformeln, um Kranke zu heilen. Nun waren in ganz Europa die Klöster zuständig für die medizinische Versorgung der Gesellschaft sowie für die Ausbildung von Ärzten. Benedikt von Nursia, der Gründer des Benediktinerordens (etwa um 527 n. Chr.) bestimmte, dass die Krankenpflege eine der wichtigsten Aufgaben der Mönche und Nonnen sein sollte. Unter dem Prinzip der Barmherzigkeit wurden von verschiedenen Orden Spitäler gegründet, wo man Kranke pflegte, aber auch den Armen und den Alten Zuflucht gab. Kaiser Karl der Grosse (768–814) machte das Anlegen von Kräutergärten sogar zur verbindlichen Vorschrift. Im Lauf der Jahrhunderte kamen stattliche Sammlungen mit Literatur über Pflanzenheilkunde zustande. Möchten Sie sich eine anschauliche Vorstellung von einem Klostergarten machen? Besuchen Sie die Kartause Ittingen in Warth TG, ein ehemaliges Stift des Kartäuserordens, das heute als Kulturzentrum und Ausflugsziel mit spiritueller Note interessante Einblicke ins Klosterleben vermittelt (kartause.ch). Hier finden Sie nebst prachtvollen Blumen auch einen ausgedehnten Kräutergarten.

Ärzte, Experten und Koryphäen
Der bekannteste Klosterarzt des Mittelalters war Notker II. von St. Gallen, ein Benediktinermönch, dessen heilkundliche Kompetenz sogar am Hof des Kaisers Otto I. berühmt war. Er lebte im 10. Jahrhundert und war auch als Maler und Dichter tätig.
Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, 1493–1541), war ein Schweizer Universalgelehrter – Arzt, Alchemist, Naturphilosoph und Theologe – und als solcher ein typischer Vertreter der Wissenschaft der Renaissance. Im 16. Jahrhundert galt er als einer der berühmtesten Ärzte Europas. Zwar war er in seiner Zeit sehr umstritten, aber auf seine ganzheitliche Lehre berufen sich bis heute verschiedene medizinische Konzepte.
Ein Heilkräuter-Experte, den jedes Schweizer Kind kennt, war Pfarrer Johann Künzle (1857–1945) aus St. Gallen. Er wuchs als Sohn eines Gärtners auf, studierte Theologie und erweiterte dann seine Studien in Richtung Botanik und Medizin. Im Jahr 1922 bestand er ein Examen vor einem Ärztekollegium und durfte fortan eine «giftfreie Heilkräuterpraxis» betreiben. Seine bekanntesten Veröffentlichungen sind «Chrut und Uchrut» (1912), der regelmässig erscheinende «Volkskalender» (ab 1937) sowie «Das grosse Kräuterheilbuch (Erstausgabe 1945).

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